
Höhr-Grenzhausen. Im Rahmen ihres Themenjahres „Bildung und Ausbildung“ hat die Junge Union den Vorsitzenden des Jungen Philologen Verbandes, Ralf Hoffmann, zu einer Gesprächsrunde zum Thema „Die Bildungspolitik im Sekundarbereich - wohin führt uns die neue rot-grüne Koalition?“ geladen. Interessierte und Betroffene sprachen im Restaurant „Silicium“ über den rot-grünen Koalitionsvertrag und die aktuelle Situation der Lehrer. (RZ berichtete über „Mehr Unterrichtsausfall im Land“, „Unsichere Zukunft vieler Vertretungslehrer“, „Streit um Becks Bildungsthesen“) „Es kann nicht sein, dass vor der Wahl seitens der neuen Regierung immer wieder betont wurde, dass es keinen erheblichen Unterrichtsausfall gibt und es nun doch offensichtlich wird, dass diese Zahlen falsch sind. Nur durch die Vielzahl an Vertretungslehrern und PES- Kräften konnte der Schein gewahrt werden, doch diese sollen jetzt für die Misswirtschaft der Regierung bezahlen, indem sie in eine ungewisse Zukunft gehen, “ erklärte die JU Kreisvorsitzende Jenny Groß. Ralf Hoffmann bestätigte, dass in diesem Sektor zurzeit einiges Drunter und Drüber ginge. Er hoffe allerdings, dass sich dies in den nächsten Wochen kläre und sich die Situation entspanne. „Es ist für keinen der Beteiligten eine angenehme Situation“, sagte Hoffmann. Hinzukomme, dass es ein lokales Problem sei, denn nicht an allen Schulen im Kreis herrsche die gleiche Anzahl an Unterrichtsausfall in den identischen Fächern. Der Vorsitzende der Jungen Philologen erläuterte, dass es nach der Wahl ein paar kleine Korrekturen gegeben hätte. So nennt er es vernünftig, dass die Zahl der Praktika für die Bachelor/ Masterstudiengänge reduziert wurde und die Referendariatszeit im gymnasialen Bereich auf 18 Monate festgesetzt wurde. Als großes Problem sieht er die Forderung nach längerem gemeinsamem Lernen an. Damit möchte man unbemerkt aushöhlen, dass es zu einer Art Einheitsschule kommt. Des Weiteren diene dies nicht dem einzelnen Schüler und bringe keinerlei Vorteile für das Fortkommen der Klasse. Auch für die Lehrer ist dies didaktisch kaum machbar. „Es ist unsere Aufgabe, dies offensiv zu kommunizieren und mit Eltern, Lehrern und Politikern im Gespräch zu bleiben, welche Folgen dies hätte“, sagte die JU Vorsitzende. Nach der rüden Abschaffung der Hauptschulen, einer schlecht organisierten Zusammenlegung zu einer Realschule Plus und dem Aufblähen der Gymnasien wäre dies der nächstmögliche Schritt, meint der Geschäftsführer der JU Michael Jubl. Zudem kann keinem Schüler damit gedient sein, dass das Sitzenbleiben sukzessive abgeschafft werden soll. Es fehlt die pädagogische Instanz und die Tatsache, dass wichtige und wegweisende Grundlagen für die Ausbildung fehlen. „Es schadet niemanden. Im Gegenteil, mir hat es geholfen und ich habe eine zweite Chance bekommen, das Verpasste nachzuholen, “ erklärte ein Jugendlicher, der zurzeit sein Abitur macht. So wurde die Frage im Raum laut, was es denn der Wirtschaft und dem Fortkommen der jungen Menschen bringe, ein Schuljahr weiterzukommen, ohne das Ziel erreicht zu haben. Die Anwesenden waren sich einig, dass dies lediglich den Betroffenen, der Wirtschaft und dem weiteren Ausbildungsweg schade. Ebenso ausführlich wurde über die aktuelle Inklusionsdebatte gesprochen. Förderschulen sollen abgeschafft werden und Schwerpunktschulen über die Köpfe der Schulen hinweg entstehen. Ralf Hoffmann und Jenny Groß sagten einhellig, dass man dies nicht über die Köpfe der Schulleiter und den Strukturen vor Ort entscheiden könne. Auch die Landeselternvertretung spricht sich gegen dieses Vorhaben aus. Die Landesregierung ist von dieser Illusion allerdings kaum abzubringen und wird dies im Laufe der Legislatur weiter aktiv angehen. „Dass dies ein sehr emotionales und sensibles Thema ist, welches Schritt für Schritt angegangen werden sollte, ist in der derzeitigen Kommunikation nicht vorhanden“, sagten die beiden Vorsitzenden. Auch die angebliche demographische Rendite sei eine Mogelpackung. Immer mehr Jugendliche machen einen weiterführenden Abschluss und wählen statt einer Lehre die Schule. Zumal es auch nicht sein könne, dass individuelle Förderung gepredigt werde, es dafür allerdings nicht genügend Lehrer gibt bzw. der leichte Überschuss durch die gesellschaftliche Entwicklung im Nachwuchs in den nächsten Jahren nicht entsprechend genutzt werde. Am Ende waren sich die jungen Christdemokraten einig, dass das Bildungsthema zurzeit überall intensiv diskutiert werde und auch weiterhin von der JU mit zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächsmöglichkeiten begleitet werde. „Es ist schön, dass zurzeit endlich die Bildungsthemen offensiv angegangen werden. Ich hoffe, dass man in Zukunft mit mehr Beteiligung der Betroffenen an die Thematik herangeht“, sagte Jenny Groß (JU Kreisvorsitzende) abschließend.




